Zum Medienecho der neusten Ausgabe von “Ausgefuchst”.

Seit Januar schreibe ich jeden Sonntag in diesem Blog eine Kolumne namens “Ausgefuchst”. Wenn ich “jeden Sonntag” sage, meine ich, dass es bisher drei Ausgaben der Kolumne gab. Und mein dritter Text, vom letzten Sonntag, hat gleich eingeschlagen, wie eine Bombe. Ich habe das Ding, wie immer, auf Twitter gepostet und heute, knapp vier Tage später, hat dieser Tweet 45 Retweets, 114 Likes und 15 direkte Kommentare. Insgesamt wurden 21.635 Nutzer erreicht und 1.441 Menschen haben auf den Link hierher geklickt.

Die 15 Kommentare erscheinen auf den ersten Blick erst mal nicht so viel, aber zusammen mit den kommentierten Retweets ergibt sich ein klares Bild: Sehr viele Menschen (vor allem Frauen), können sich mit dem was ich geschrieben habe identifizieren. Viele berichten, dass sie sich auch schon über diesen Umstand geärgert haben. Allerdings scheint es vor meiner kleinen Kolumne noch nicht viele Berichte über dieses Problem gegeben zu haben. Mein Twitter-Kumpel @peperjohnny hatte mir relativ schnell zwar eine Geschichte aus dem Tagesspiegel von 2017 geschickt, die scheint aber damals nicht sonderlich viel Aufsehen erregt zu haben.

Die Software kann man ändern

Als jemand, der seit Jahren täglich über Software-Entwicklung schreibt, halte ich auch nicht viel von den dort vorgebrachten Argumenten. Ich glaube schon, dass sich das Problem im Prinzip relativ einfach in Software lösen lässt. Gespräche mit Bekannten aus anderen Ländern haben mich darin noch bestärkt. Finnland zum Beispiel scheint das Problem relativ elegant umschifft zu haben. Alles was ich gehört habe lässt mich allerdings vermuten, dass die Software bei den Finanzämtern allgemein sehr grottig ist und ganz andere Probleme hat. Da können natürlich die Finanzbeamten am wenigsten für.

Die eigentliche Wurzel allen Übels scheinen aber die Formulare zu sein, welche die verschiedenen Programme natürlich abbilden müssen. Die Crux liegt hier also wohl in den Gesetzen und Richtlinien, die vorschreiben, wie wir unsere Steuererklärung zu machen haben. Die zu ändern wird wohl weit schwieriger sein, als kompetente Programmierer mal den Code der Steuersoftware beim Finanzamt modernisieren zu lassen. Und dass nicht, weil es grundsätzlich so schwer ist, Gesetze oder Richtlinien umzuschreiben, sondern weil das in Deutschland erfahrungsgemäß einfach ewig dauert, wenn es nicht komplett blockiert wird. Vor allem, wenn es um Steuern und den damit verbundenen Verwaltungsapparat geht. Wenn nicht mal der Bund der Steuerzahler auf unserer Seite ist (siehe SZ-Artikel weiter unten) weiß man ja schon, woher der Wind weht.

Immerhin scheint das Thema durch meine Kolumne, anders als durch den Artikel im Tagesspiegel, nun endlich mal die Gemüter bewegt zu haben. Und so nimmt die Geschichte des Medienechos um meinen Text dann ihren Lauf.

Bento, Brigitte, SZ

Der Erste, der meinen Blog-Post verbreitete war Fefe – ich nehme mal an, jemand hat meine Twitter-Nachricht gesehen und ihm einen Link zu meinem Blog zugetragen. Am Anfang der Woche wurden dann auch meine Kollegen bei diversen Medienhäusern auf meinen Tweet aufmerksam, der zu diesem Zeitpunkt fast ein kleines Bisschen viral ging. Zuerst landete meine Kolumne in den Blogs bei der taz. Dann kontaktierte mich ein Kollege von bento und veröffentlichte eine Meldung, die zwischenzeitlich auch bei Spiegel Online landete – wer es nicht weiß: bento ist das Jugendangebot von SpOn.

Als nächstes verlinkte mich die Brigitte und dann kontaktierte mich ein netter Mitarbeiter der Süddeutschen, dessen Artikel heute morgen online gegangen ist. Zwischenzeitlich hatte ich dann auch mit der Deutschen Presse-Agentur gesprochen, die meines Wissens die Geschichte auch vermeldet hat – spannend, spannend!

Wäre ja schon lustig, wenn ich im Endeffekt eine Änderung zum Besseren angestoßen hätte und sich vielleicht in ein paar Jahren die Formulare und die Steuersoftware ändern. Und das dann nur wegen einer Kolumne auf fab.industries, die ich mal eben an einem Samstag morgen in meinen Texteditor gehauen habe, weil meine Frau und ich die Antwort unseres Finanzamtes so lustig fanden. Ehrlich gesagt hätte ich nie vermutet, dass dieses Thema eine so große Resonanz findet, sonst hätte ich es sicherlich höher gehängt als eine Kolumne in meinem kleinen Blog hier.

Gerade ich, gerade bei dem Thema

Spaßig ist auch, dass mir auf einmal Feministen auf Twitter folgen. Wer mich kennt weiß, dass ich ein zwiegespaltenes Verhältnis zu Netz-Feministen habe und mit ihnen oft meinungsmäßig relativ weit auseinandergehe. Wer mich richtig gut kennt weiß, dass das daran liegt, dass mich meine Mutter sehr feministisch erzogen hat, dieses Verständnis von Feminismus allerdings von den gesellschaftlichen Kämpfen der ‘70er und ‘80er Jahre geprägt ist. Und vor allem von einem klaren Verständnis von Gerechtigkeit und Gleichberechtigung, mit dem es nicht vereinbar ist, irgendjemand zu diskriminieren oder einzuschränken. Auch nicht, wenn das einer Minderheit hilft. Ein Grundstein dieser Überzeugung ist, dass man nie mit zweierlei Maß messen darf und dass Unrecht nicht mit Unrecht vergolten werden kann.

Leider scheint dieses Verständnis einigen Menschen zu fehlen, die sich aktuell als Feministen bezeichnen – vor allem im Netz. Ich kann auch nichts mit Menschen anfangen, die behaupten oder andeuten, es gäbe keine biologischen Unterschiede zwischen Geschlechtern oder dass diese nicht relevant seien. Ich bin schließlich mit einer Biologin verheiratet. Und sie macht meine Steuererklärung.

Nicht dass ich irgendwas gegen die netten Menschen sagen will, die auf meinen Tweet reagiert haben. Das waren durchweg nette, vernünftige Menschen und ich fand die Diskussionen auf Twitter und anderswo sehr stimulierend. Vielleicht können wir ja in ein paar Jahren zurückblicken und von uns behaupten, dass wir damals etwas bewegt haben. Auch kleine Schritte in die richtige Richtung sind besser, als Schritte zurück.

Da mich übrigens einige Freunde, die kein Deutsch sprechen, gefragt haben, was es mit dem Trubel um mein Blog auf sich hat, habe ich den Text heute auch ins Englische übersetzt.


Addendum vom 28.01.2019

Durch die Meldung der dpa ist meine Kolumne in Zeitungen und Nachrichten-Portalen der ganzen Republik (und darüber hinaus) gelandet. In der Welt, zum Beispiel, haben sie die Geschichte gleich zwei mal gebracht – hier und hier. Auch die offizielle Webseite der Stadt Hamburg hat es vermeldet.

Weitere Berichterstattung, die ich gefunden habe:

  1. Siegener Zeitung
  2. Pforzheimer Zeitung
  3. Gäubote
  4. Stuttgarter Zeitung
  5. Waiblinger Kreiszeitung / Schorndorfer Nachrichten / Winnender Zeitung / Welzheimer Zeitung
  6. Mindener Tageblatt
  7. SVZ.de
  8. SHZ.de
  9. Weser Kurier
  10. Lippische Landes-Zeitung
  11. Traunsteiner Tagblatt
  12. Focus Online
  13. Rosenheim24.de
  14. Wolfsburger Nachrichten
  15. Kurier.at
  16. Berliner Zeitung
  17. Westfälische Nachrichten
  18. T-Online.de
  19. Mitteldeutsche Zeitung
  20. Eßlinger Zeitung
  21. SAT.1 Regional
  22. Stuttgarter Nachrichten
  23. Berliner Morgenpost
  24. Peiner Nachrichten
  25. Freie Presse
  26. Bonner General-Anzeiger
  27. Merkur.de
  28. RTL.de

Addendum vom 29.01.2019

Heute morgen hat dann auch NDR 90,3 ein Interview ausgestrahlt, das ich ihnen letzte Woche gegeben hatte. Sie haben auch den Finanzsenator der Stadt Hamburg, Andreas Dressel, zu dem Thema befragt und der sagt, dass an dem Problem jetzt gearbeitet wird. Man geht in seiner Behörde davon aus, dass eine Änderung “bis etwa 2021 technisch realisiert ist”.

Wie cool ist das denn bitte? Das heißt, meine kleine Kolumne hat tatsächlich etwas zum Guten bewegt und wegen einem Blog-Post von mir werden jetzt die Steuerformulare in der ganzen Republik angepasst. Das macht mich jetzt gerade echt glücklich! 🦊