Twitter sperrt Trump das Konto. Oder mit anderen Worten: Silicon Valley erklärt dem US-Präsidenten den Krieg.

Der Internet-Kurznachrichtendienst Twitter hatte dem US-Präsidenten Donald Trump in der vergangenen Woche das Konto gesperrt, nachdem Trump-Unterstützer das Capitol in Washington gestürmt hatten. Man kann von Trump und seiner höchst fragwürdigen Meinung, er habe in Wirklichkeit die Wahl im November gewonnen, halten was man will. Dieser Schritt stellt unabhängig von Trumps abstrusen Meinungen, seiner ätzenden Persönlichkeit und seinen unsympathischen Anhängern einen gefährlichen Präzedenzfall dar.

Man muss sich genau vor Augen führen, was hier vergangene Woche passiert ist: Ein Unternehmen aus der Privatwirtschaft hat dem rechtmäßig gewählten Staatsoberhaupt des mächtigsten Landes der Welt den wichtigsten Kommunikationskanal abgedreht. Man kann gar nicht genug betonen, wie historisch bedeutsam das ist.

Dazu muss man natürlich wissen, dass Trump seine Anhänger – und übrigens auch seine Gegner, zusammen also eigentlich die gesamte Bevölkerung der USA – hauptsächlich über Twitter erreicht. Natürlich hält der US-Präsident auch Pressekonferenzen. Aber wer guckt sich sowas heutzutage schon an? Niemand in der Öffentlichkeit. Und dieser Tage auch kaum jemand bei der Presse. Die kriegt ihre Nachrichten schneller, und schön in zitierfähige Happen verpackt, ebenfalls direkt über Twitter. Einer meiner US-Kollegen hat Twitter schon vor mehr als zehn Jahren mal als “Nervensystem des Internets” bezeichnet – und das stimmt heute mehr denn je.

Was da also noch während des Sturms auf das Capitol passiert ist, stellt einen noch nie dagewesenen Griff nach politischer und gesellschaftlicher Macht der Konzerne dar. Silicon Valley ist nicht mehr nur damit zufrieden, alle unsere Daten zu sammeln und uns auszuspionieren. Konzerne wie Twitter wollen jetzt auch noch bestimmen, was Regierungen und deren Oberhäupter sagen dürfen und was nicht. Egal wie sehr man Trump verachtet, dieser Trend sollte einem Angst machen.


Diese Text wurde ursprünglich am 12. Januar 2021 im Rahmen meiner Kolumne Digital Total veröffentlicht, die jeden Dienstag in der Ostfriesen-Zeitung erscheint.

Aufmacherbild: Christian Lue

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