Gedanken über das Gute und das Schlechte am Internet.


Diese Text wurde ursprünglich am 10. August 2021 im Rahmen meiner Kolumne Digital Total veröffentlicht, welche jeden Dienstag in der Ostfriesen-Zeitung erscheint.

Aufmacherbild: NASA


Das Internet ist ohne Frage eine der wichtigsten Erfindungen in der Geschichte der Menschheit, aber es hat heutzutage keinen guten Ruf. Wenn man dieser Tage Zeitungsberichte durchblättert, könnte man den Eindruck bekommen, das Internet wäre der Auslöser für einen großen Teil der Probleme unserer Zeit. Wahlmanipulation, Hacker-Angriffe auf kritische Infrastruktur, Hass in sozialen Netzwerken und wirre Geister, die irre Ideen in mehr oder weniger versteckten Messenger-Gruppen verbreiten, sind in der Berichterstattung allgegenwärtig.

Da ich mich als Journalist beruflich auch jeden Tag mit diesen Themen auseinandersetze, habe ich immer öfter das Bedürfnis, auch einmal die positiven Aspekte der Digitalisierung hervorzuheben. Erst kürzlich wurde mir zum Beispiel wieder direkt vor Augen geführt, wie großartig das Internet doch unser Leben verändert hat. So besuchten mich nämlich zwei Freunde das erste Mal, die ich vor ein oder zwei Jahren im Internet kennengelernt hatte. Ich hatte sie noch nie zuvor getroffen, aber von der ersten Minute war es für alle Beteiligten so, als träfe man sich schon seit Jahren regelmäßig.

Es gibt Menschen in Kopenhagen in Dänemark, in Liverpool in England, in Fort Worth in Texas (USA) und in Melbourne in Australien, die ich als gute Freunde bezeichnen würde. Alle diese Menschen habe ich im Internet kennengelernt und wir kommunizieren auf diese Art regelmäßig miteinander. Das Internet hat in vielen Bereichen die Grenzen der realen Welt fast komplett verschwinden lassen. Freundschaften, Spiele-Abende und Interessengruppen sind grenzenlos geworden. Und so hat das globale Computernetzwerk mehr für die Völkerverständigung getan als die gesamte UNESCO oder jeder Botschafter eines beliebigen Landes. Bei allen negativen Schlagzeilen sollten wir uns auch das immer wieder vergegenwärtigen. Und wir sollten dafür dankbar sein.