Vierundzwanzig

24 Jahre mit meiner wahren Liebe und meiner besten Freundin

Meine beste Freundin im Copiloten-Sitz eines Helikopters über den Whitsunday Islands in Queensland, Australien

Die Tage hatte ich ein interessantes Erlebnis. Ich war im Fitnessstudio und wartete auf einen Freund, der sich gerade umzog, als ich mit einem Typen über Bitcoin ins Gespräch kam. Irgendwann erwähnte ich, dass ich mich nicht wirklich um die Finanzen unseres Haushalts kümmere, sondern dass meine Frau dafür zuständig ist. Da sah mich der Fremde eindringlich an, hob eine Augenbraue und fragte pointiert: “Aber vertraust du deiner Frau auch?” Einen Moment lang wusste ich nicht, was ich sagen sollte. Also hakte er nach: “Vertraust du ihr wirklich?” An diesem Punkt musste ich laut lachen. Er sah mich komisch an. Ich versuchte zu erklären, wie absurd diese Frage ist. Aber ich merkte, dass er mich überhaupt nicht verstanden hat.

Meine Frau und ich sind heute genau 24 Jahren zusammen. Ich bin 42 Jahre alt. Diese Zahlen vermitteln vielleicht eine Vorstellung davon, wie viel Investition — oder vielleicht wie viel versunkene Kosten — mit unserer Beziehung verbunden sind. Aber sie können die schiere Liebe und das Vertrauen, das sich in all dieser gemeinsamen Zeit aufgebaut hat, nicht angemessen erklären. Wie ich schon mal geschrieben habe, denke ich, dass unsere Beziehung insofern besonders ist, weil wir umso mehr zusammenwachsen, je länger wir zusammen sind. Wenn man die Gesellschaft im Allgemeinen betrachtet, scheint für die meisten Menschen eher das Gegenteil der Fall zu sein. Und unsere besondere Nähe bringt natürlich Vertrauen mit sich. Wenn man so viel Zeit miteinander verbracht hat, alles, was einem wichtig ist, gemeinsam unternimmt und — was noch wichtiger ist — gelernt hat, dem anderen Freiraum zu lassen und nicht eifersüchtig auf den Spaß zu sein, die der andere alleine hat, wie kann man sich dann nicht vertrauen? Geld ist wirklich das Letzte, worüber ich mir in einer Beziehung Gedanken machen würde. Wenn dein Vertrauen in deinen Partner an dieser Stelle aussetzt, ist es nicht nur an der Zeit, die Beziehung zu überdenken, sondern man sollte seine Lebensentscheidungen an sich noch einmal beleuchten.

Aber vielleicht hat der Typ einfach nichts verstanden, weil ich “meine Frau” gesagt habe. Das ist eine eher allgemeine Bezeichnung, die man im Alltag so verwendet, aber natürlich beschreibt sie meine Beziehung zu Katy nicht adäquat. Der Tag unserer Hochzeit war großartig, aber er hat unsere Beziehung überhaupt nicht verändert. Es war ein Signal für alle anderen, aber es hat nichts daran geändert, wie wir über einander denken. “Meine Frau” zu sagen, wenn ich mit Fremden spreche, ist besser als “meine Freundin”, da es unserer tatsächlichen Beziehung näher kommt, aber es wird natürlich niemanden, der uns nicht kennt, dazu bringen, uns als Paar zu verstehen. Was dieser Typ sich unter einer Beziehung zu seiner Frau vorstellt, hat wahrscheinlich nichts damit zu tun, wie Katy und ich zusammenleben.

Katy ist so viel mehr als nur meine Frau. Sie ist meine beste Freundin und die Person, die ich von allen Menschen auf der Welt am meisten liebe. Sie ist meine Komplizin, meine strengste Kritikerin und die einzige Person, auf die ich mich immer verlassen kann — egal, was passiert. Sie stärkt mir immer bedingungslos den Rücken. Sie ist die Person, der ich am meisten vertraue, auf die ich am meisten stolz bin und mit der ich am liebsten Zeit verbringe. Sie ist die Person, bei der ich mich am wohlsten fühle. Ich kann ihr alles erzählen. Sie hat mich in den verletzlichsten Situationen gesehen. Sie hat meine hässlichsten Seiten gesehen. Und sie hat sich nie von mir abgewandt. Sie ist die Person, mit der ich mich am besten streiten kann, und trotzdem liebe ich sie. Nichts macht mich glücklicher, als sie lächeln zu sehen. Ich weiß, das klingt wie der kitschigste Mist, die ihr je gehört habt. Aber was soll ich sagen … es ist wahr.

Und all das ist der Grund, warum ich gar nicht beschreiben kann, wie lächerlich und komisch es war, als dieser Typ mich ernsthaft fragte, ob ich meiner Frau vertraue. Nach 24 Jahren kann ich ehrlich sagen, dass ich meiner Frau an den meisten Tagen mehr vertraue als mir selbst. Und ich glaube, dass dies mittlerweile über Liebe hinausgeht. Ich weiß nicht, was es ist. Sie sagt oft, es könnte sich um Stockholm-Syndrom handeln. Mir ist es wirklich völlig egal, woher das kommt. Ich kann nur sagen, dass es mir gefällt und ich mir mein Leben gar nicht mehr anders vorstellen kann … und will.

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