Der Deutsche und die Hitze
Waya Lailai Eco Resort auf Fiji — mein absoluter Lieblingsort auf diesem Planeten
Es gibt Momente, da geht mir die kollektive Dummheit der deutschen Bevölkerung wirklich sehr auf die Eier. In der vergangenen Woche, zum Beispiel, als Deutschland (und der Rest von Europa) von einer „beispiellosen Hitzewelle“ heimgesucht wurde. Früher nannten wir Temperaturen jenseits von 32° C Ende Juni einfach „Sommer“, jetzt heißt das „Heat Dome” und ist ganz schrecklich. Überall wurde über die Hitze gemeckert: beim Einkaufen, beim Sport, in WhatsApp-Chats mit den Verwandten … absolut jeder musste jammern wie schrecklich das doch alles ist.
Nun bin ich selber wirklich niemand, der unangenehme Situationen kommentarlos erträgt. Ich arbeite daran, weniger zu jammern, aber das ist ein schwerer Weg. Das Jammern und Meckern ist beim Deutschen halt tief im Erbgut verankert. Ich meckere also selber gerne, aber selbst ich heule nicht so viel rum, wenn es kalt ist, wie meine Landsleute in der vergangenen Woche wegen der Hitze. Ich empfinde Temperaturen unter 20° C persönlich als Zumutung. Alles unter 10° C ist geradezu schrecklich. Aber heul ich den ganzen Winter allen die Ohren voll? Nein. Ich ziehe mich warm an, trinke Tee und versuche halt, so gut wie möglich durch die kalten Monate zu kommen.
Gut, das Rumgeheule über die Hitze alleine könnte ich ja noch ertragen. Aber wo es wirklich aufhört, ist bei der grenzenlosen Verblödung, die meine Kollegen bei den ehemaligen Qualitätsmedien dann verzapfen. Kein Wunder, dass sich alle in ihrem Wahnsinn bestärkt fühlen, wenn Journalisten sie auch noch unablässig mit Blödsinn füttern.
Eilmeldung bei der „Tagesschau“: Es ist warm!
Dem Fass den Boden ausgeschlagen hat heute morgen ein Beitrag auf der Webseite der Tagesschau von Melina Runde: Warum Hitze alle gefährdet – und was künftig schützt. So etwas dummes habe ich seit langem nicht mehr gelesen. Weil mir der Kopf immer noch vom Lesen dieses Schwachsinns weh tut, habe ich mich entschieden, ein paar der besonders idiotischen Stellen aus diesem Text mit minimaler Recherche und einem kleinen bisschen gesunden Menschenverstand zu kontern.
Am besten funktioniere der Mensch bei einer Körpertemperatur von 36,5 und bei einer Außentemperatur von 23 Grad, erklärt Claudia Traidl-Hoffmann, Direktorin des Instituts für Umweltmedizin und Integrative Gesundheit am Universitätsklinikum Augsburg. "Bei allem, was außerhalb dieser Bereiche ist, funktionieren wir einfach nicht mehr optimal: Entfernen wir uns zu weit von dem Idealzustand, können wir nicht mehr vernünftig denken und nur ineffizient arbeiten."
Ich weiß nicht, was Umweltmedizin oder Integrative Gesundheit ist. Aus dem Stehgreif würde ich sagen, dass jegliche Medizin nicht nur den infrage kommenden Organismus betrifft, sondern auch dessen Umwelt. Krankheiten kommen halt auch schon mal von außerhalb des Organismus … aus der Umwelt. Ich traue mich gar nicht zu fragen, was Integrative Gesundheit ist. Das hört sich irgendwie nach Homöopathie oder ähnlichem unwissenschaftlichem Schwachsinn an. Was auch immer die in dieser Ecke der Uniklinik Augsburg machen, viel Sinn ergibt es auf jeden Fall nicht.
Ein paar Sekunden Recherche im Internet zeigen uns, dass mindestens 2,5 Milliarden Menschen in Ländern Leben, in denen es regelmäßig unter 23° C oder über 36,5° C ist. Das ist fast ein Drittel der Weltbevölkerung. Können die alle mehrere Monate im Jahr „nicht mehr vernünftig denken und nur ineffizient arbeiten“?
Ursprünglich ging man davon aus, dass selbst gesunde Menschen bei zum Beispiel 35 Grad und 100 Prozent Luftfeuchtigkeit höchstens sechs Stunden überleben können. "Wir wissen aus neueren Daten, dass diese Grenze nicht so absolut ist, sondern dass das wahrscheinlich bei sehr vielen Leuten viel früher einsetzt, also möglicherweise schon bei 31 Grad", sagt Bürck-Gemassmer.
Ursprünglich? Wann soll das gewesen sein? Zur Hochzeit des Römischen Reiches um ca. 100 n. Chr. war es deutlich wärmer — und feuchter — als im heutige Italien, was den Aufbau dieser Hochkultur deutlich begünstigt hat. Die Maya lebten ab ca. 2000 v. Chr bis ins frühe 16. Jahrhundert äußerst erfolgreich im Dschungel der Tropen und wurden nicht etwa durch das Klima dort, sondern durch die Europäer ausgerottet. Wie lange leben Menschen schon in Thailand oder den Philippinen bei über 31° C und 100% Luftfeuchtigkeit? Wenn man nur ein bisschen über diese Aussagen nachdenkt, merkt man doch sofort, dass das Blödsinn ist!
Hinzu kommt: Viele Menschen unterschätzen ihr persönliches Risiko. Insgesamt könnten bis zu 40 Prozent der Bevölkerung betroffen sein — etwa die Hälfte davon ohne es zu wissen, sagt Bürck-Gemassmer.
Auch Traidl-Hoffmann weiß, was passiert, wenn Menschen diese Temperaturen unterschätzen. Sie berichtet etwa von zwei Sportlern, die trotz Hitze an einem Lauf teilgenommen hätten. Die Folge: Intensivstation. "Beide überlebten das Multiorganversagen, aber der eine hat seine Leber verloren." Beide seien davor gesund und trainiert gewesen.
Wie bitte bekommt ein junger, gesunder Mensch vom Laufen in der Hitze multiples Organversagen? Steht der zweite Satz im Konjunktiv, weil auch die Tagesschau-Autorin ihre Zweifel hat? Ich nehme mal an, das soll ein Marathon gewesen sein. Ich bin kein Arzt, aber ich würde mal tippen, dass diese beiden „gesunden“ und „trainierten“ Menschen doch irgendwelche Vorbelastungen hatten.
Sonne und Hitze führt auf zwei Arten zum Tod: Exposure und Dehydrieren. Exposure, hierzulande auch als Sonnenstich oder Hitzeerschöpfung bekannt, tritt vor allem dann auf, wenn man seine Haut ungeschützt der Sonne aussetzt. Dagegen helfen ein Hut und lange, leichte Klamotten. Ohne den richtigen Schutz kann Exposure ziemlich schnell zum Kreislaufkollaps führen. Dehydrierung dauert deutlich länger. Wenn man sich normal bewegt, kann man in einer Wüste ohne Wasser locker 24 Stunden überleben. Bei körperlicher Anstrengung kann das schneller gehen, aber es dauert immer noch Stunden — vor allem, wenn man zwischendurch was trinkt. MMA-Kämpfer dehydrieren sich vor jedem Kampf und die trainieren stundenlang sehr hart, trinken nichts und gehen zwischendurch in die Sauna, um mehrere Liter Wasser zu verlieren. Sich derart zu dehydrieren ist sehr harte Arbeit.
Wenn du jetzt also bei 36° C einen Marathon läufst, ohne Kopfbedeckung und mit kurzen Klamotten und ohne was zu trinken, klar könnte man dann ziemlich schnell kollabieren. Im schlimmsten Fall führt das zu einem Herzinfarkt und irgendwann auch zu Nierenversagen und Koma. Aber bei so Läufen sind doch immer Sanitäter vor Ort. Wenn so etwas direkt behandelt wird und die betroffene Person einigermaßen jung und fit ist, ist ein Kreislaufkollaps etwas, von dem man sich komplett erholen kann.
Was die Tagesschau hier macht, ist einen ziemlich unwahrscheinlichen Fall verallgemeinern, damit die Leser auch schön Angst bekommen. Denn Angst, das bringt Interaktion und Klicks! Aber denkt doch einfach mal kurz kritisch nach: Wie schlimm kann dieses Risko sein, wenn ihm „bis zu 40 Prozent der Bevölkerung“ ausgesetzt sind, aber nichts passiert?
Ich bin in der vergangenen Woche übrigens bei 38° C in praller Sonne 10 km gelaufen — mit 12 kg Gewicht in der Weste. Ich laufe seit über zwanzig Jahren im Hochsommer mitten am Tag. Ich ziehe mir einen Hut auf, nehme genug Wasser mit und dann ist das nicht gefährlich, sondern einfach sehr anstrengendes und ziemlich effektives Training.
Der beste Schutz vor zunehmender Hitze sei aber Klimaschutz — da sind sich Expertinnen und Experten einig. "Weil wir uns irgendwann nicht mehr anpassen können", sagt Bürck-Gemassmer. "Das, was wir jetzt in Deutschland erlebt haben, war relativ kurz. Das kann dann auch mal zwei Wochen dauern."
Wer sind diese anonymen „Expertinnen und Experten“? Und worin sind sie Experten? Im Blödsinn labern? Der beste Schutz vor Hitze ist Schatten, Wasser und ein paar Eiswürfel. Dafür muss man kein Experte sein. Und die Anpassung der Deutschen hat noch viel Luft nach oben. Frag doch mal jemanden, der in Australien, Zentralafrika, Südamerika oder Südostasien lebt. Da ist es monatelang so warm, oder wärmer, als es bei uns vergangene Woche war. Schon seit Jahrhunderten. Die sterben da unten nicht am Klima. In Australien lernst du halt in der Schule, dass man sich bei Sonne einen Hut aufsetzt und langärmelige Klamotten trägt. Und dann ist der Drops gelutscht. Der Rest der Anpassung ist zu akzeptieren, dass man viel schwitzt und entsprechend zu trinken. Jedes Schulkind aus Queensland ist da mehr Experte als diese „Expertinnen und Experten“ aus der Tagesschau.
Für besonders gefährdete Berufe fordert Bürck-Gemassmer zudem klarere Regelungen und Verpflichtungen. Neben Abkühlung und Verschattung sollten auch Trinkpausen oder veränderte Arbeitszeiten angedacht werden. Auch befürwortet der Mediziner Arbeitsverbote in bestimmten Bereichen, um das Gesundheitswesen vor Überlastung zu schützen.
Was für ein hirnrissiger Quatsch. Nochmal: Über 2 Milliarden Menschen leben an Orten, wo solche Temperaturen normal sind. Die sterben auch nicht. Da könnte man ja dann monatelang in diesen Berufen nicht arbeiten. Solchen Schwachsinn können sich echt nur Deutsche ausdenken, die noch nie Europa verlassen haben.
Dabei geben wir als Volk doch Milliarden Euro im Jahr dafür aus, im Sommer in warme Länder zu fliegen. Wir setzten uns also freiwillig dieser unglaublichen Gefahr durch hohe Temperaturen aus! Und dann erwarten wir auch noch, dass in diesen Urlaubsländern Leute ihre Berufe ausüben! Aber wehe, es ist zu Hause mal so warm. Was zum Fuck ist bei euch kaputt? Lest ihr diesen Scheiß, den ihr schreibt, eigentlich auch mal selbst?
Für die Wirtschaft sei die Hitze schon jetzt ein Problem: "Wir wissen, ein Hitzetag kostet uns in Deutschland mindestens 430 Millionen Euro aufgrund von Effizienzausfall. Heißt anstatt 30 E-Mails kann ich vielleicht nur fünf bearbeiten, weil ich nicht mehr klar denken kann. Oder weniger Patienten behandeln, weil es so heiß ist", sagt Traidl-Hoffmann. Klimaschutz sei dann auch Wirtschaftsschutz.
Das ist nicht die Hitze. Die Leute sind scheißefaul und suchen ne Ausrede! „Ich kann meine E-Mails nicht bearbeiten, weil ich nicht mehr denken kann“? Seid ihr noch ganz dicht!? Als ich im Jahr 2000 in der 11. Klasse nach Australien verschifft wurde, habe ich auch gedacht, dass ich da bei 36° C im Klassenzimmer sterben muss. Wir hatten da keine Klimaanlage! Als ich meinen Mitschülern versucht hab zu erklären, was „hitzefrei“ ist, da dachten die, ich will sie verarschen. Stellt sich raus, nach ein paar Tagen gewöhnt man sich an die Temperatur und nach ein paar Wochen ist es normal. Nach einem Jahr in Australien war das Schlimmste auf der Welt für mich, wieder ins kalte Deutschland zurück zu müssen.
Das Problem hier ist nicht die Hitze. Das Problem ist, dass ihr absolut keine Lebenserfahrung habt und keine zwei Zentimeter über den deutschen Tellerrand hinweg schauen könnt. Ich versteh schon nicht, wie man als normaler Mensch auf der Straße so dumm und ungebildet sein kann, zu behaupten, Hitze wäre gefährlich und unertragbar. Aber wie man als Journalist so einen gefährlichen Schwachsinn schreiben — und wahrscheinlich selber auch glauben — kann, ist mir wirklich unverständlich. Das grenzt schon an Fahrlässigkeit.
Wenn ihr Hitze nicht mögt, ist das okay. Ich finde Hitze toll und mag Kälte nicht. Alles okay. Jeder ist ander gebaut. Meinetwegen meckert auch drüber. Aber versucht mir nicht zu erklären, es sei gefährlich. Vor allem erzählt mir nicht, wir müssten das Klima schützen und kauft dann ne Klimaanlage, weil es drei Wochen im Jahr über 30° C warm ist. Ich hab jetzt über 42 Jahre lang ohne Klimaanlage gelebt und schwitze einfach ein bisschen mehr, ihr Klimahelden.
Wenn ich könnte, würde ich noch in dieser Sekunde nach Fiji auswandern. Da ist eigentlich das ganze Jahr über 30° C bis 32° C warm und geht auch schon mal in die vierziger. Die Luftfeuchtigkeit liegt das ganze Jahr über zwischen 75% und 90%. Klimaanlagen haben die da nicht. Und genau deswegen ist es der schönste Ort auf diesem Planeten. Die Leute da unten sind weit davon entfernt, an der Temperatur zu sterben. Ganz im Gegenteil, das sind die glücklichsten Menschen, die ich je getroffen habe.
